Urlaub Urlaub Urlaub

Knapp zwei Monate sind jet­zt ver­gan­gen, seit­dem ich hier etwas hochge­laden habe. Zwei sehr gefüllte Monate wohlge­merkt.

Juni:
Mitte Juni kamen mich meine guten Fre­unde Chris­t­ian und Jonas besuchen, welchen ich die Stadt zeigte und mit welchen ich nach Wash­ing­ton fuhr. Es war schön, endlich mal wieder in ver­traute Gesichter zu blick­en. Lei­der musste ich Wochen­tags die meiste Zeit arbeit­en, aber ich glaube die bei­den kamen währen­dessen auch ganz gut alleine zurecht. Außer Wash­ing­ton standen Sachen wie Shop­ping, Essen und der Besuch der Rock­e­feller Cen­ter auf dem Stun­den­plan. Alles in allem zwei wirk­lich sehr schöne Wochen.

Drei Tage nach ihrer Abreise ging es dann für mich nach Chica­go, die Frei­willi­gen dort besuchen und Urlaub machen.. Chica­go ist toll! Down­town wirkt nicht so über­laden wie New York und hat einen wesentlichen schöneren Strand. Das Wet­ter war top, das Essen leck­er, die Leute nett und mein klein­er Woch­enendtrip somit ein­fach wun­der­voll (Ausgenom­men der ver­spätete Rück­flug).

Juli:

Zurück in New York hat­te ich dann eigentlich gar keine Pause. Don­ner­stag Inde­pen­dence Day und Fre­itag bis Mon­tag Besuch von Mar­tin, welch­er auf seinem Rück­weg aus Aus­tralien ein Woch­enende bei mir ver­brauchte. Mit Mar­tin musste ich dann natür­lich das ganze Touris­ten­pro­gramm, welch­es ich ja zwei Wochen zu vor schon gemacht hat­te, wieder­holen. Nach sein­er Abreise war dann aber zum Glück erst­mal wieder ein wenig Ruhe. All­t­ag hier ist zwar ziem­lich lang­weilig, aber vielle­icht war das auch genau das richtige. Arbeit, Kino, Sport, Schlaf — Ja, defin­i­tiv das richtige.

Ende Juli flog ich noch nach Mia­mi, wo ich drei Tage ver­brachte. Ich will nicht ins Detail gehen, die Stadt ist aber sehr schön auf auf jeden Fall einen Besuch wert!

Und was jet­zt?

Heute schreiben wir den zweit­en August. In weniger als vier Wochen werde ich schon wieder in Deutsch­land sein. Man kön­nte also denken, da kommt nicht mehr viel — weit gefehlt.

Meine Fam­i­lie, welche jet­zt ger­ade noch in Texas ist, wird kom­menden Dien­stag nach New York fliegen. Zusam­men wer­den wir eine Woche ver­brin­gen und wenn’s gut läuft noch in die Hamp­tons fahren. Für die vier geht es danach weit­er mit dem Miet­wa­gen die Ostküste erkun­den, ich bleibe in der Stadt. Am 15. August werde ich dann zum aller­let­zten Mal Besuch emp­fan­gen. Paul, mein allerbester Pod­cast-Part­ner, bleibt dann hier bis zum Schluss.

Am 30. August geht es dann zurück nach Deutsch­land. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie ich mich deswe­gen fühlen soll, aber vielle­icht ist das auch gar nicht so wichtig. Vielle­icht sollte ich ein­fach alles auf mich zukom­men lassen. Einen richti­gen Beitrag zur mein­er Gefühlslage und ein Resümee des Jahres kommt aber noch, wenn es dann ent­gültig vor­bei ist…

Grüße, Luke

Emanzipation.

You have become the very thing you swore to destroy.

Obi Wan Keno­bi. Star Wars.

Ich liebe Filme. Von der Cin­e­matog­ra­phy über den Schnitt bis hin zum Set Design und natür­lich der Sto­ry, Filme sind wun­der­voll! Alleine dieses Jahr bringe ich es auf rund 50 Kinobe­suche, bish­er…

Ich bin kein Film­ex­perte, kein Kri­tik­er, den­noch möchte ich heute über ein The­ma schreiben, das mich in der heuti­gen Kinoland­schaft nervt: Das Bild der Frau bzw. Geschlechter­rollen im all­ge­meinen. Mein­er Mei­n­ung nach set­zt Hol­ly­wood zwar ger­ade vieles daran, für Emanzi­pa­tion zu sor­gen, scheit­ert aber jäm­mer­lich.

Aber lasst mich etwas weit­er aus­holen…
So lange ich denken kann, waren Filme schon immer männlich geprägt. In der Liste mein­er Top-20 Filme sind es ger­ade ein­mal zwei, die eine Weib­liche Haup­trol­le haben. Ver­ste­ht mich nicht falsch, ich habe nichts gegen weib­liche Pro­tag­o­nistin­nen, es ist nur wie gesagt ein­fach so, dass Män­ner im Film ein­fach stärk­er vertreten sind bzw. waren. Waren, weil die Men­schen so langsam begrif­f­en haben, dass nicht nur Vertreter des männlichen Geschlechts gute Charak­tere abgeben kön­nen. So bracht­en die let­zten paar Jahre immer mehr und mehr Filme mit weib­lichen Pro­tag­o­nis­ten und ins­ge­samt starken weib­lichen Rollen. Diese Entwick­lung ist sehr schön zu sehen, warum also behaupte ich, dass Hol­ly­wood scheit­ert am Bild der Frau?

Die Antwort auf diese Frage klingt zunächst sehr sex­is­tisch, ist es aber eigentlich gar nicht: Frauen im Film sind zu mächtig. Die durch­weg pos­i­tive Reak­tion, Frauen als unab­hängig und stark darzustellen, (was nicht heißt, dass sie das nicht sind!) hat dafür gesorgt, dass die Stu­dios weniger Zeit in die Entwick­lung der Rollen steck­en. Es genügt, Cap­tain Mar­vel alles und jeden zer­stören zu lassen, ohne eine plau­si­ble Erk­lärung zu bieten. Es kommt gut an, wenn sich in Avengers alle weib­lichen Heldin­nen zusam­men­tun, um den ach so hil­flosen Spi­der­man zu ret­ten.
Die Ironie ist, dass eine solch plaka­tive Darstel­lung nicht für Emanzi­pa­tion sorgt, son­dern genau das Gegen­teil erre­icht. Ohne wirk­lichen Tief­gang wirken Charak­tere aufge­set­zt, nicht real. Der durch­schnit­tliche Kinogänger lässt sich vielle­icht täuschen, freut sich vielle­icht sog­ar darüber, endlich Mal Gle­ich­berech­ti­gung zu sehen, im Prinzip wird diese aber nur vorge­gaukelt.

Faz­it und Ansage an die Film­stu­dios: Wenn ihr förm­lich mit dem Fin­ger darauf zeigen müsst, dass ihr euch für Gle­ich­berech­ti­gung ein­set­zt, im Zuge dessen aber einen Charak­ter alleine auf Grund seines Geschlechts über­mäßig stark darstellt, dann habt ihr nix ver­standen und schießt euch eigentlich nur ins eigene Bein.

Oder ein ein­fach: Weib­liche Charak­tere in Fil­men stark darzustellen, nicht weil sie es ver­di­ent haben, sin­der nur weil es sich gut verkauft, ist die falsche Inten­tion und damit nicht cool!

PS: Geht ins Kino und macht euch selb­st ein Bild. Hierzu empfehle ich aus­drück­lich X‑Men: Drak Phoenix, welchen ich abge­se­hen von jen­er fake Emanzi­pa­tion eigentlich echt ganz gut fand.

PPS: Natür­lich ist nicht jed­er Film so. Game of Thrones z.B. ( jaja ich weiß, ist ne Serie) hat eigentlich immer n ganz guten Job gemacht, wenn es um starke Frauen­bilder ging. Kill Bill, Trib­ute von Panem… Es gibt sie, die Aus­nah­men! Ist also nicht alles schlecht.

PPS: Ich weiß nicht, ob mein Gedanken­gang nachvol­lziehbar war und nicht doch falsch rüberkom­men kön­nte. Bei Fra­gen deshalb bitte ein­fach melden.

Far from Home.

Ohana heißt Fam­i­lie, Fam­i­lie heißt, dass alle zusam­men­hal­ten.

Stitch. Lilo und Stitch.

Nacht. Regen.

Zwei Monate ist es jet­zt her, dass ich das let­zte Mal aus meinem Leben berichtete. Zwei Monate, eine lange Zeit. Wenn ich so darüber nach­denke, waren das die zwei bish­er schön­sten Monate meines Aufen­thaltes. Aber von vorne…

Ende März/Anfang April ging es auf Sem­i­nar Nach Wash­ing­ton DC. Die Gruppe Mal wieder zu sehen tat gut, war doch die Zeit davor, bis auf ein paar Kinobe­suche, rel­a­tiv isoliert. Wash­ing­ton als Stadt ist toll! Im Ver­gle­ich zu New York wirkt alles so ruhig, klein. Die Men­schen sind anders, das Kli­ma wärmer und die Museen inter­es­sant. So standen neben den Sem­i­nar-Pro­gramm­punk­ten Besuche im botanis­chen Garten, dem Air and Space Muse­um und im Capitol/Repräsentantenhaus auf dem Stun­den­plan. Ins­ge­samt lässt sich sagen, dass es eine ehr schöne Woche war, und as fahren der Elek­tro­roller weniger Spaß macht als gedacht, aber immer­noch genug um es zu wieder­holen.

In New York angekom­men ging es dann erst­mal weit­er mit Arbeit… Tele­fonate hier, E‑Mails schreiben da… Büroall­t­ag eben. Jeden Tag am Schreibtisch zu sitzen kann sehr lang­weilig wer­den, über die Zeit habe ich aber Strate­gien entwick­elt, dem ent­ge­gen­zuwirken. Spo­ti­fy, Gum­miband­schießen oder meinen lieb­sten Kol­le­gen Stephan zu ner­ven sind alles Dinge, die die Zeit sig­nifikant schneller ver­laufen lassen. Außer­dem habe ich ja jeden Mittwoch noch meine Besuche bei den Über­leben­den. Diese brin­gen nach wie vor Abwech­slung und auf dem Weg von Besuch zu Besuch komme ich ein wenig an die frische Luft.

Am 27. April, dem Geburt­stag mein­er Mut­ter, war es dann soweit: um drei Uhr Nachts macht­en wir uns auf den Weg zum Flughafen, um von dort aus nach Seattle/Hawaii zu fliegen. Nach sechs tat­säch­lich sehr annehm­baren Stun­den lan­de­ten wir dann im wun­der­schö­nen Wash­ing­ton (Staat). Flughafen­trans­fer, laufen, Hos­tel. Schon auf dem Weg wusste ich, dass mir Seat­tle gefall­en würde. Alles wirk­te so entschle­u­nigt und im Gegen­satz zu New York sehr sauber. Unser Hos­tel, welch­es übri­gens sehr empfehlenswert ist, lag sehr zen­tral und direkt neben ein­er Art Mark­thalle. Nach ein­er kurzen Aus­pack­pause macht­en wir uns also auf dor­thin, nur um dahin­ter das Meer bzw die Meeren­dung zu ent­deck­en. Das spon­tane “ein­fach Mal Schauen” endete schlussendlich mit dem Besuch der Space Nee­dle aka. der eine Turm in Seat­tle den jed­er ken­nt. Am näch­sten Tag (Son­ntag) ging es dann in einen Natur­park außer­halb der Stadt, zu einem Radios­tu­dio in welchem man auch Kaf­fee trinken kon­nte, einem Food Mar­ket und ein­fach ein biss­chen zum schauen/shoppen in die Stadt. High­light des Tages, so dachte ich zumin­d­est, würde der Besuch des ältesten Star­bucks der Welt wer­den, dieser ent­pup­pte sich dann aber als stin­knor­male Fil­iale ohne irgendwelche Beson­der­heit­en. Abends dann Game of Thrones im Hos­tel schauen, und danach mit all den anderen Reisenden etwas trinken. Das ist näm­lich das schöne an Hos­tels; man lernt so viele inter­es­sante Men­schen ken­nen! Mon­tag gab es dann noch den “besten Kaf­fee der Stadt”, welch­er tat­säch­lich der beste Kaf­fee der Stadt war. Danach zum Flughafen und warten auf den Flug nach Honu­l­u­lu. Dort angekom­men war ich erst­mal über­rascht wie warm es war, hat­te mir doch meine Wet­ter App gute 10° käl­ter angegeben. Im Hos­tel dann ging es direkt ins Bett. Ich war so müde, dass ich mit samt Kof­fer und ohne mich umzuziehen ein­schlief. Die näch­sten drei Tage soll­ten wir in und rund um Honu­l­u­lu ver­brin­gen. Wir lern­ten neue Leute ken­nen, gin­gen hiken, schnorchel­ten und lagen ab und zu auch ein­fach nur am nahegele­ge­nen Waiki­ki Beach herum. Don­ner­stag ging es dann mit dem Bus hoch nach Lanikai. Das an der Ost­seite Oahu’s gele­gene Dorf ist bekan­nt für den gle­ich­nami­gen Strand, welch­er ein fast schon zu türkisendes Wass­er bietet. Aber­mals begaben wir uns auf einen Hike, dieses Mal quer durch den Dschun­gel. Der Regen störte zwar ein wenig und die Land­mi­nen­war­nung auf hal­ber Strecke war auch nicht ger­ade ermuti­gend, oben angekom­men wussten wir aber, dass sich der Weg gelohnt hat­te. Irgend­wo im Nir­gend­wo, in Mit­ten tausender Lia­nen, trug sich vor uns dann das auf, weshalb wir gekom­men waren: Wasser­fälle. Nicht beson­ders groß, nicht beson­ders majestätisch, aber unfass­bar schön. Wir legten also unsere Ruck­säcke bei Seite, zogen uns unsere Bade­sachen an und sprangen. Wer ein­mal von einem Wasser­fall gesprun­gen ist, weiß wie gut sich das anfühlt! Zurück angekom­men im Airbnb lern­ten wir dann auch endlich unseren Host ken­nen, rede­ten noch etwas mit ihr und legten uns dann schließlich schlafen. Fre­itag ging es nach einem dank Regen miss­glück­ten Strand­tag in den Nor­den der Insel. Zwei Tage soll­ten wir dort ver­brin­gen. Über die Nord­küste kann ich eigentlich gar nicht viel mehr sagen, außer dass es sich defin­i­tiv lohnt ein biss­chen Zeit dort zu ver­brin­gen. Es ist nicht so touris­tisch wie im Süden, aber immer­noch genug, um einkaufen zu gehen… Die Strände sind leer­er, die Wellen höher und die Atmo­sphäre noch chill­iger. Ich glaube so im Nach­hinein hat­te ich Fre­itag und Sam­stag das beste (und gün­stig­ste) Essen, den leck­er­sten Kaf­fee und irgend­wie die angenehm­ste Zeit. Son­ntag Mor­gen um 5 Uhr müsste ich mich allerd­ings schon wieder auf den Weg zurück nach Waiki­ki machen, um das absolute High­light der ganzen Reise nicht zu ver­passen: Scu­ba Div­ing. Ich bin zwar schon­mal mit Flasche getaucht, aber was ich vor der Süd­küste Oahu’s zu sehen bekom­men sollte, über­stieg alle Erwartun­gen. Delfine, Haie, Morä­nen, Seesterne und natür­lich tausende Fis­che und Schild­kröten… …alles aufzuzählen würde zu lange dauern. Das Wass­er war so klar, dass man den Grund, trotz 15 Meter Tiefe, vom Boot aus prob­lem­los erken­nen kon­nte. Ein­fach nur wun­der­voll und ein krö­nen­den Abschluss mein­er Reise! Eine Nacht ver­bracht­en wir noch in dem Hos­tel, in dem alles begann, dann am näch­sten Mit­tag sollte es wieder zurück Rich­tung Heimat gehen. Die Reise zurück war zwar aus ver­schiede­nen Grün­den nicht die allerbeste, das machte meine Ankun­ft in New York (in Flip Flops wohlge­merkt) umso bess­er.

Das war sie also, meine Reise in den West­en. Die Frage die bleibt ist: was kommt als näch­stes?
Bis zu mein­er Aus­reise Ende August werde ich noch Besuch von zahlre­ichen Fre­un­den bekom­men, nach Stamp­ford fahren und nach Chica­go fliegen. Ich werde weit­er­hin die Stadt erkun­den und weit­er­hin fleißig arbeit­en “grins”. Natür­lich werde ich von all dem bericht­en. Bis da hin, macht’s gut, genießt den Früh­ling!

PS: Bitte verzei­ht mir meine unterirdisch schlechte Orthogra­phie und Wort Tren­nung. Acht Monate in den USA fängt man zwangsläu­fig an, die englis­che Sprache mit der deutschen zu ver­mis­chen.

PPS: Ja! Wort­tren­nung war mit Absicht auseinan­dergeschrieben, war n Witz ne…

PPPS: Wenn du dich beim Zitat ange­sprochen gefühlt hast, dann warst du auch gemeint.

Luke

Disney.

Wenn dir die Welt den Rück­en kehrt, dann kehrst du der Welt auch den Rück­en

Tim­on, König der Löwen

Mein lieb­ster Dis­ney­film aller Zeit­en ist Dum­bo. Das im Jahre 1941 erschienene Meis­ter­w­erk erzählt die Geschichte eines jun­gen, fliegen­den Cir­cuse­le­fan­ten und wie dieser von sein­er Mut­ter getren­nt wird. Er erzählt eine Geschichte von Fre­und­schaft, Liebe und Zusam­men­halt. Keine beson­deren The­men, würde man denken, aber das täuscht. Egal ob jung oder alt, egal wann wir geboren sind: es sind ger­ade diese ein­fachen The­men, die uns am meis­ten berühren. Walt Dis­ney ver­stand das, vielle­icht waren seine Filme genau deshalb so magisch. Mit seinem Tod starb auch die Magie. Ver­ste­ht mich nicht falsch, ich mag viele der mod­er­nen Dis­ney Filme, aber die irgen­det­was fehlt ein­fach.
Heute, 2019, kann man Dum­bo erneut auf der Lein­wand betra­cht­en. Die Geschichte ist die selbe, den­noch wäre es eine Schande, bei­de Filme miteinan­der zu ver­gle­ichen. Von Regis­seur Tim Bur­ton mag man hal­ten was man will, mein­er Mei­n­ung nach leis­tete er mit Dum­bo sog­ar eigentlich ganz gute Arbeit, gefall­en hat mir die 112 Minuten Kino trotz­dem nicht. Emo­tion­al war’s, ja! Mein­er Mei­n­ung nach hat das aber eher weniger etwas mit der Leis­tung des Films zu tun, son­der eher an was er uns erin­nert. Man weint nicht, weil der Film so trau­rig ist, son­der weil er an eben jene trau­ri­gen Stellen erin­nert, die schon vor über 78 Jahren zu sehen waren. So gut war Dum­bo (1941), dass er uns heute, durch das Fen­ster eines mit­telmäßi­gen Kinder­films, immer­noch zum weinen bringt.
Ger­ade eben dachte ich, es eigentlich schade ist, dass Kinder heutzu­tage mit all den guten Fil­men groß wer­den, son­dern nur noch mit ihren mit­telmäßi­gen Remakes. Dann ist mir aufge­fall­en, dass sie das gar nicht müssen… Wenn ihr Kinder habt, oder Fre­unde, denen ihr zeigen wollt, mit welchen Klas­sik­ern ihr groß gewor­den seid, dann zeigt ihnen, mit was ihr groß gewor­den seid! Geht nicht ins Kino, lei­ht euch ein­fach das Orig­i­nal aus. Dass ist erstens bess­er, zweit­ens gün­stiger und drit­tens unter­stützt ihr damit nicht die heutige Remake-Kul­tur son­dern spornt Men­schen wie Tim Bur­ton an, die Klas­sik­er der morgi­gen Gen­er­a­tion zu erschaf­fen.

Halbzeit.

Kids, you can’t cling to the past. Because no mat­ter how tight you hold on… it’s already gone.

Ted Mos­by.

Je nach Ausle­gung werde ich am 30. August, dem Tag mein­er Rück­kehr, 361 oder 353 Tage fort gewe­sen sein. Den genauen Mit­telpunkt mein­er Absti­nenz zu bes­tim­men, ist dem­nach nicht wirk­lich möglich und eigentlich auch nicht wichtig. Als Anhalt­spunkt finde ich den ersten März sehr schön — sechs Monate hin­ter mir, sechs vor mir. Wie auch immer die genaue Zeitspanne nun betra­chtet wird: so langsam geht’s in die Hal­bzeit! An dieser Stelle kön­nte ich die let­zten Monate zusam­men­fassen und wie in so ziem­lich 80% mein­er bish­eri­gen Beiträge in der Ver­gan­gen­heit schwel­gen, werde ich aber nicht. Stadt­dessen bekommt jed­er, der nicht nicht jet­zt schon auf­grund mein­er Mal wieder viel zu ver­schlun­genen Sätze aufge­hört hat zu lesen, eine kleine Per­spek­tive dessen, was noch kom­men mag, in Zukun­ft.

In cir­ca vier Wochen werde ich auf das zweite, “das große”, Län­der­sem­i­nar nach Wash­ing­ton DC fahren, um dort eine Woche lang mit meinen Mit­frei­willi­gen über mir zu diesem Zeit­punkt noch unbekan­nte The­men zu disku­tieren. Zeit die Stadt zu besichti­gen, wer­den wir mit Sicher­heit auch haben. Nach DC geht’s dann erst­mal wieder zurück an die Upper West Side; allerd­ings nur für drei Wochen! Was fol­gt sind zwei Tage in Seat­tle und weit­ere sieben auf Hawaii. Seat­tle stand schon lange auf mein­er Wun­schliste und in den Sub­tropen am Strand zu liegen ist auch nicht ger­ade schlecht. Cir­ca einen Monat nach Hawaii, am 16. Juni, kom­men meine Fre­unde Chris­t­ian und Jonas ange­flo­gen, welche mich für zwei Wochen in New York besuchen. Anfang August sehe ich meine Fam­i­lie für ein paar Tage und dann geht’s eigentlich auch fast schon wieder zurück nach Hause.

Auf die Frage, ob sie schon ein halbes Jahr oder erst ein halbes Jahr unter­wegs sei, antwortete meine beste Fre­undin, welche einen Frei­willi­gen­di­enst in Rus­s­land absolviert, ganz klar mit schon. Ich fand das über­aus inter­es­sant, war mir diese Zeitspanne doch vorgekom­men wie eine halbe Ewigkeit. Wenn ich aber darüber nach­denke, was mich alles bis August erwartet, kann ich mir gut vorstellen, dass auch ich am Ende zur­rück­blicke und mich frage, wie nur die Zeit so schnell verg­ing. Mit anderen Worten: Ich freue mich wahnsin­nig auf die 2. Hal­bzeit.

PS:
Was meine Arbeit und meinen All­t­ag ange­ht, so muss ich euch lei­der ent­täuschen. Es heißt nicht umson­st All­t­ag. Die Auf­gaben haben sich seit meinem let­zten Beitrag kaum verän­dert und auch die Besuche bei “meinen” Holo­caust-Über­leben­den ver­laufen meist ähn­lich. Das Leben ist ruhig in New York. Aber vielle­icht tut mir Ruhe auch ganz gut. Cam­den war ein sehr aufwüh­len­des Kapi­tel und ich bin über­aus dankbar für die Umzugsmöglichkeit. Punk­to Holo­caust: ich würde wirk­lich gerne einen ganzen Beitrag zu dieser The­matik ver­fassen, das Prob­lem ist, dass ich ger­ade was Schreiben und Kreativ­ität ange­ht irgend­wie eine Block­ade habe. Irgend­wann kommt aber noch was… Eigentlich soll­ten auch noch zwei Essays zu Fil­men kom­men, aber ich bin so über­haupt nicht zufrieden mit meinem Skript… Sor­ry dafür

PPS:
Ein riesen­großes Dankeschön meinen Patenonkel an Oliv­er! Ich fotografiere in let­zter Zeit wieder sehr viel und inter­essiere mich auch ver­mehrt für Film, Schnitt, Ton, Drehbüch­er und das alles… Ohne die gute alte D60, welche du mir geschenkt hast, hätte ich diese Begeisterung*en wahrschein­lich nicht bzw. nicht in diesem Aus­maß. Passt vielle­icht nicht so ganz zum Rest des Beitrags, aber ich dachte, dass muss Mal gesagt wer­den.

Grüße auch an meine Eltern, die mir meine jet­zige Kam­era geschenkt haben!

Luke.

New York, New York

Kein Zitat. Irgend­wie passt das nicht zur Stim­mung eines “Bericht-Beitrags”

- Lukas Baur

Wie der Titel wohl ver­muten lässt, gibt es heute zur Abwech­slung wieder ein kleines life update von mir. Fast einen Monat lebe ich nun in DER Stadt. Wenn ich so drüber nach­denke, kön­nte ich schon rel­a­tiv viel erzählen. Trotz­dem ver­suche ich mich in fol­gen­den Zeilen kurz zu fassen.

Der 2. Jan­u­ar war ein komis­ch­er Tag. Mor­gens wachte ich noch in Cam­den auf, meine Mut­ter war zu Besuch und es war einiger­maßen annehm­bares Wet­ter, abends schlief ich ganz ohne Besuch, bei ganz fürchter­lichem Wet­ter, ganz wo anders wieder ein. Vielle­icht war der Regen aber auch genau das, was ich brauche. Hört sich vielle­icht komisch an, aber an diesem Abend mit ein­er Tasse Tee auf mein­er Fen­ster­bank zu sitzen und in den Regen zu schauen, nach­dem ich im Cen­tral Park spazieren war, gehört jet­zt schon defin­i­tiv zu meinen Top Erin­nerun­gen 2019. Mein Raum ist klein, klein aber gemütlich. Bis heute ist es mir ein Rät­sel, wie ich all mein Gepäck hier ver­stauen kann. Der Raum fasst keine zwei Meter in der Bre­ite und max­i­mal drei in der Länge. Pos­i­tiv anzumerken ist jedoch, dass bei diesen Angaben wed­er der Wand­schrank noch die winzigie Küchen­zeile mitein­be­zo­gen sind… Ein Waschbeck­en im Zim­mer, so habe ich gemerkt, ist ein großes Upgrade und für mich als ohne­hin faulen Men­schen Ide­al. So muss ich seit meinem Umzug zu Zäh­neputzen nicht mehr den Raum ver­lassen.

Mein neues Pro­jekt ist wun­der­voll. DOROT ist kein Obdachlosen­heim im herkömm­lichen Sinne, im Prinzip würde ich es nicht­mal als ein solch­es beze­ich­nen. Men­sch, die kein Dach über dem Kopf haben, kurz davor ste­hen oder ger­ade ein­fach nicht genug geld ver­di­enen um men­schen­würdich leben zu kön­nen, über 60 Jahre alt sind und gewil­lt sind, sich ein Zim­mer zu teilen, haben die Möglichkeit hier unterzukom­men. In den zwei bis sechs Monat­en, in denen sie hier leben dür­fen, wird dann nach ein­er dauer­haften bleibe geschaut. Es ist über­aus inter­es­sant, auf was für Men­schen man hier trifft. Von ehe­ma­li­gen Lehrern über Pianistin­nen bis hin zu Tan­ten von NFL Profi-Foot­ball­spiel­ern ist alles dabei — und mit­ten drin ich. Zu meinen Auf­gaben zählen Dinge wie kochen, tele­fonieren oder Mails schreiben. Man kön­nte mich unter der Kat­e­gorie “Mäd­chen für alles” einord­nen. Das klingt zwar blöd, ist es aber keineswegs. Zum ersten Mal sein Monat­en füh­le ich mich tat­säch­lich gebraucht. Ich habe einen kleinen eige­nen Schreibtisch in einem kleinen ( aber eige­nen ) Büro. Meine Kol­legin­nen und Kol­le­gen sind sehr fre­undlich und mehr und mehr füh­le ich mich zu Hause. Wie in einem vorheri­gen Beitrag schon erwäh­nt, arbeite ich einen Tag in der Woche für das Haupt­büro und besuche Holo­caust Über­lebende. Nach erst drei besuchen kann ich lei­der noch nicht so viel darüber bericht­en, lasst euch aber gesagt sein, dass es eine sehr erfül­lende, inter­es­sante und herz­er­greifende Arbeit ist. Grüße gehen an dieser Stelle raus an Hel­ga, Lily und Her­bert!

New York ist eine wun­der­volle Stadt. Auch wenn die Sub­way (U‑bahn) Tick­ets hier 120$ im Monat kosten und man für eine Zah­n­pas­ta mehr aus­geben kann als für ein Mit­tagessen, ist mir dieser Großs­tadtd­schun­gel sofort ans Herz gewach­sen. Es gibt nichts schöneres, als in ein neues Vier­tel zu fahren und ein­fach ein biss­chen rumzu­laufen. Die Stadt, die niemals schläft, von wegen! Wenn man sich hier erst­mal ausken­nt, find­et man auch ruhige Nach­barschaften, gemütliche Parks und Kle­in­stadt­flare. Ich kön­nte stun­den­lang über diese Stadt schreiben, hätte aber am Ende noch nicht die Hälfte dessen erfasst, was das “New Ams­ter­dam” zu bieten hat. Wenn ihr die Chance habt, Mal herzukom­men, tut es, es lohnt sich.

Viel mehr kann und will ich gar nicht bericht­en. Natür­lich kön­nen ich erzählen, wie ich drei Mal die Woche ins Kino gehe oder was für neue Klam­ot­ten ich mir gekauft habe, aber das führt dann vielle­icht irgend­wann doch zu weit…

- Luke

Nostalgie feat. Melancholie

Was immer ihr in eurem Leben treibt, es ist nicht leg­endär, wenn eure Fre­unde nicht da sind, um es zu sehen.

- Bar­ney Stin­son

Wär hätte gedacht, dass man in ein­er Stadt mit mehr als achtein­halb Mil­lio­nen Ein­wohn­ern so alleine sein kann? Ich bin immer davon aus­ge­gan­gen, dass ich alleine ganz gut klar komme. Zu einem gewis­sen Teil stimmt das auch, ich habe kein Prob­lem mit dem Zubere­it­en von Essen, dem Waschen mein­er Wäsche oder im Umgang mit Geld. Trotz­dem würde ich nicht ger­ade behaupten, hier gut zurechtzukom­men. Men­schen brauchen Men­schen. Selb­stver­ständlich habe ich hier genü­gend Kon­tak­te, aber Men­sch ≠ Men­sch. Im Volksmund würde man meine Gefüh­le wohl als Heimweh betiteln, ich würde das nur bed­ingt. Ich ver­misse nicht mein zu Hause, ich ver­misse die Leute. Wie in meinem ersten Beitrag erwäh­nt, bin ich dankbar für das, was ihr aus mir gemacht habt. Ich merke, wie sehr mir dieser Ein­fluss hier fehlt. Lasst euch also gesagt sein, dass ich euch sehr ver­misse und mich jet­zt schon auf meine Rück­kehr freue. Auf die Foto­shoot­ings, die gemütlichen Abende, die Spaziergänge und die Male, an denen ich wieder so viel mit euch lachen werde.

Nur das Beste an euch, Lukas

PS: Wer denkt, ich sei hier unglück­lich, hat zwar nicht ganz unrecht, aber auch nicht ganz recht. Mein neues Pro­jekt gefällt mir sehr gut und zum ersten Mal seit Monat­en habe ich tat­säch­lich das Gefühl etwas gutes zu tun bzw. über­haupt etwas zu tun. Dazu kommt, dass man sich an der Upper West Side auch nach Son­nenun­ter­gang frei bewe­gen kann und ich merk­te jet­zt schon, wie gut mir das tut.

Zwischen den Jahren.

9:06 AM. Irgend­wo über Texas.

Dies ist Mal wieder ein “Bericht-Beitrag”. Essays zu schreiben macht zwar mehr Spaß und lesen tun sich diese auch bess­er, aber in den let­zten Wochen ist ein­fach so viel passiert, dass ich davon bericht­en muss. Fan­gen wir von vorne an: Wie ihr alle wisst, ist North Cam­den nicht ger­ade die schön­ste Nach­barschaft und es ist für mich rel­a­tiv schwierig dort alleine zu leben. Dazu kommt noch, dass ich nicht wirk­lich Arbeit habe und fünf Stun­den am Tag nur im Büro sitze und nichts tue. Aus diesem und noch ein paar anderen, nicht nen­nenswerten Grün­den, haben wir beschlossen mich zu ver­legen. Das neue Pro­jekt heißt DOROT, liegt in New York und beschäftigt sich, wie mein bish­eriges Pro­jekt auch, mit sozial benachteiligten Men­schen. Das Wort Obdachlosen­heim beschreibt es wohl am besten, aber ich finde das klingt ein wenig abw­er­tend. Mehr zu mein­er neuen Arbeit kommt im einem der näch­sten Beiträge, wenn ich dann auch tat­säch­lich dort bin und euch erzählen kann, wie mein All­t­ag aussieht. Umziehen werde ich am 2. Jan­u­ar.

Kom­men wir nun zu einem ganz anderen The­ma: Wei­h­nacht­en und Sil­vester. Wer aufmerk­sam gele­sen hat, wird sich wahrschein­lich fra­gen weshalb ich irgend­wo über Texas bin. Die Antwort darauf ist eigentlich ganz ein­fach: ich war meine Fam­i­lie besuchen.

Aber du darf­st doch nicht aus­reisen und warum in Texas?”

Nun, bei mein­er nahen Fam­i­lie war ich nicht, aber meine Groß­tante väter­lich­er­seits und ihre Kinder / Enkelkinder wohnen über­all verteilt in Texas. Zu Texas kann ich eigentlich gar nicht so viel mehr sagen, außer, dass es sehr schön und angenehm warm war. Ein “klas­sis­ches” amerikanis­ches Wei­h­nacht­en zu ver­birn­gen war defin­i­tiv eine tolle Erfahrung. Sil­vester wird wahrschein­lich eben­so eine tolle Erfahrung, denn da kommt dann tat­säch­lich meine “richtige” Fam­i­lie bzw. meine Mut­ter. Mit ihr und ein paar Fre­un­den werde ich den Jahreswech­sel und damit dann eigentlich auch meinen Abschied in Cam­den feiern.

Cut.

An dieser Stelle war ich dann so müde, dass ich den restlichen Flug über mein Handy weggesteckt und mich schlafen gelegt habe. Heute, am 27. Dezem­ber, ist meine Mut­ter bere­its hier und wir sind zusam­men in Boston unter­wegs. Mor­gen geht es nach Har­vard dann nach News­port, Rhode Island, und von dort aus mit der Fähre in die Hamp­tons. Am Sam­stag den 29. wer­den wir New York besichti­gen und am 30. wird es dann zurück nach Cam­den gehen.

Weit­ere Beiträge von mir gibt’s wieder im Jan­u­ar, bis dahin allen einen guten Rutsch ins neue Jahr und wenn ihr Fragen/Anregungen da habt lasst einen Kom­men­tar da oder schreibt mir direkt.

Unter neuen Sternen. Vol.2

Wer ein Warum hat zu leben, erträgt fast jedes Wie.

Friedrich Niet­zsche

Vier Wochen sind ver­gan­gen, da ich meinen let­zten Beitrag veröf­fentlicht habe. In ihm schrieb ich sehr neg­a­tiv über die USA und erhielt daraufhin viele Nachricht­en wie “Hof­fentlich hältst du das noch bis August aus” oder “Ich kön­nte da nicht wohnen”… … Ver­ste­ht mich nicht falsch, ich bin gerne in hier! In “Unter neuen Ster­nen” habe ich nur die Dinge ange­sprochen, die mir nicht gefall­en an diesem Land. Vielle­icht habe ich damit einen falschen Ein­druck mein­er bish­eri­gen Erfahrun­gen erschaf­fen. Nicht alles hier ist kaputt und zer­brochen, nein, nicht alles. Heute will ich also, nicht um den let­zten Beitrag zu rel­a­tivieren, vielmehr um ihn zu ergänzen, eine kleine Liste all der pos­i­tiv­en Ein­drücke erstellen.

Als erstes wäre da das Essen. Wenn wir an die Esskul­tur in den USA denken, fall­en uns oft nur die Fast­food Ket­ten und Fri­teusen ein. Ich für meinen Teil kann aber guten gewis­sens behaupten, dass man hier auch sehr gesund leben kann. Vielle­icht rührt das daher, dass ich nicht das Geld habe, jeden Tag essen zu gehen. Vielle­icht aber auch daher, dass Cam­den sehr mexikanisch geprägt ist und es ein­fach Spaß macht, Gerichte der mexikanis­che Küche nachzukochen und auszupro­bieren.

Der zweite Punkt auf mein­er Liste sind die Men­schen. Mein­er Erfahrung nach sind Amerikan­er her­zlich­er und mehr “out­go­ing” als Deutsche. Es gab bish­er keine einzige Woche, in der ich nicht zum Essen ein­ge­laden wurde oder mir jemand während der Arbeit einen Kaf­fee gebracht hat, ein­fach so. Man kön­nte denken, dass sich Deutsch­land und die USA sehr ähn­lich sein soll­ten, was die Men­schen ange­ht sind sie das aber defin­i­tiv nicht. Ich will damit aber auf keinen Fall sagen, dass die Leute hier “bess­er” sind, als in Europa. Die über­triebene Fre­undlichkeit ist näm­lich nur Fas­sade. Wenn dir jemand sagt, du könnest jed­erzeit anrufen, dann will diese Per­son eigendlich nicht, dass du sie “jed­erzeit” anruf­st. Des weit­eren sind Amerikan­er größ­ten­teils sehr viel ober­fläch­lich­er als was ich gewohnt war.

Stop.

Während ich das schreibe, fällt mir auf, dass jed­er Punkt den ich bish­er genan­nt habe und jed­er Punkt den ich noch nen­nen will, so pos­i­tiv ich es for­muliere, eigentlich auch als neg­a­tiv aufge­grif­f­en wer­den kann. Ich Frage mich ger­ade wirk­lich was mir an den USA gefällt. Man kön­nte dieses Land ver­gle­ichen mit RTL: Es macht Spaß mal reinzuschauen, aber irgend­wann ist dann auch wieder gut. Mir war von der ersten Woche an klar, dass ich hier nicht dauer­haft leben kön­nte.
Das klingt jet­zt alles wieder viel neg­a­tiv­er als es ist! Wie oben erwäh­nt bin ich sehr gerne hier und genieße es in vollen Zügen. Wenn ich allerd­ings nicht wüsste, dass ich näch­sten August wieder nach Hause fliege, wenn ich nicht wüsste, dass ich hier bin um etwas gutes zu tun, dann wäre die Stim­mung eine andere.

Unter neuen Sternen.

Do not go gen­tle into that good night,

Old age should burn and rave at close of day;

Rage, rage against the dying of the light.

Dylan Thomas.

Eine Fre­undin fragte mich neulich: „Luke, wie kannst du nur so ruhig bleiben?” Die Frage bezog sich auf ein Leck im Dach und den daraus resul­tieren­den Wasser­fall in meinem Büro. Meine Antwort, dass das hier nor­mal sei, kam mir zunächst nicht beson­ders vor, ver­schwindet aber jeher nicht mehr aus meinem Kopf. Seit mein­er Ein­reise in Sep­tem­ber sind viele Dinge zur Nor­mal­ität gewor­den, seien es Kleinigkeit­en wie Steck­dosen und Lichtschal­ter oder eher größer Angele­gen­heit­en wie eben ein undicht­es Dach. Man muss nicht über all das bericht­en, selb­stver­ständlich gibt es in anderen Län­dern andere Gewohn­heit­en, andere Stan­dards, andere Nor­mal­itäten. Allerd­ings gibt es auch Dinge in den USA über die man bericht­en sollte! Schlechte Dinge, die, ger­ade weil sie hier so “nor­mal” sind, oft als nicht erwäh­nenswert abgestem­pelt wer­den. Dinge wie Kor­rup­tion, Diskri­m­inierung, Ras­sis­mus, Sex­is­mus oder die Zer­störung unseres Ökosys­tems ste­hen hier an der Tage­sor­d­nung, wer­den aber von keinem ange­sprochen, da sie offen­bar ein­fach dazuge­hören.

Wenn wir als deutsche an die USA denken, fall­en uns oft als erstes die riesi­gen Städte ein. Wir denken an Hol­ly­wood-Filme, Mode, atem­ber­aubende Land­schaften und das hier jed­er, wenn er nur hart genug arbeit­et, alles schaf­fen kann. In unsr­er europäis­chen Eit­elkeit vergessen wir dabei aber oft die Schat­ten­seit­en des Lebens und wie schlecht es einem gehen kann. Das hier ist kein schön­er Ort, auch wenn mir Filme etwas anderes erzählen wollen.

Wie kannst du nur so ruhig bleiben?” ist sehr gnädig for­muliert, denn im Sub­text lässt sich eine andere, schw­er­er zu beant­wor­tende Frage lesen: ”Wieso bleib­st du nur so ruhig?”
Die Antwort darauf? Keine Ahnung. Einen kri­tis­chen Blog­beitrag zu ver­fassen und ein soziales Jahr zu absolvieren ist vielle­icht ein guter Anfang dieser Ruhe ent­ge­gen­zuwirken, aber Ich kön­nte mehr tun!

Gehe nicht gelassen in die gute Nacht.

Brenne. Rase. Wenn die Däm­merung lauert.

Dem ster­ben­den Licht trotze, wutent­facht!

Dylan Thomas.

Day One.

If you care to find me look to the west­ern sky!

Elpha­ba. Wicked.

Wir schreiben den 30. Okto­ber 2018. Seit mein­er Abreise vor knapp zwei Monat­en ist auf dieser Seite erst ein Ein­trag erscheinen, dafür bitte ich um Verzei­hung. Die let­zten Wochen waren sehr ereignis­re­ich und ich hat­te nie wirk­lich Zeit mich hinzuset­zen und ein­fach Mal zu schreiben. Heute allerd­ings ist in der Arbeit so wenig zu tun, dass ich beschlossen habe mich ein­fach mit Kaf­fee und Kuchen hin­ter meinem Schreibtisch zu ver­schanzen und euch ein kleines (oder großes mal schauen) Life-Update zu geben.

Meine bish­erige Reise lässt sich in drei Etap­pen separi­eren: Aus­reis­esem­i­nar, Ein­reis­esem­i­nar und das Leben danach.

Aus­reis­esem­i­nar:

Am 3. Sep­tem­ber war es dann also so weit; die Kof­fer waren gepackt, die Men­schen ver­ab­schiedet. Wir also ins Auto, zum Flughafen. Mich von mein­er Fam­i­lie zu ver­ab­schieden war ein komis­ches Gefühl. Da war auf der einen Seite die Trauer diese ein Jahr lang nicht zu sehen, auf der anderen Seite die Vor­freude auf das was kom­men sollte. Trotz Aufre­gung passierte mir das, was mir auf Flü­gen nach Berlin immer passiert: ich schlief noch auf der Start­bahn ein. In Berlin angekom­men ging es dann nach dem oblig­a­torischen auf die Kof­fer warten mit Bus und Bahn weit­er nach Hirschluch. Hirschluch, für alle die sich darunter nichts vorstellen kön­nen, ist eine irgend­wo im nir­gend­wo liegende “Jugend­bil­dungsstätte”. Es ist schw­er diesen Ort jeman­dem zu beschreiben, der noch nie da war, deshalb ver­suche Ich das erst gar nicht. Lasst euch aber gesagt sein, dass es ein sehr schön­er Ort ist. Fre­undlicher­weise wurde Ich schon vor mein­er Ankun­ft von einem Mit­frei­willi­gen in ein gutes Zim­mer gebucht, was die Ankun­ft auf jeden Fall leichter machte. Nochmal danke dafür Paul.

In der darauf­fol­gen­den Woche gab es viele Diskus­sion zu wichti­gen The­men, Work­shops und Lesun­gen. Das Pro­gramm war nicht zu voll und nicht zu leer. Pos­i­tiv anmerken will ich auch, dass nicht jed­er das selbe machen musste, son­dern man immer die Wahl hat­te, mit welchen The­men man sich befassen will. Abends wurde dann meis­tens Par­ty gemacht. Ins­ge­samt bleibt mir das Aus­reis­esem­i­nar sehr pos­i­tiv in Erin­nerung… …die Gespräche, das nächtliche Baden im See, war schon schön. In der Nacht vom 10. auf den 11. Sep­tem­ber musste ich mich dann aber­mals von mir wichti­gen Men­schen ver­ab­schieden, es war die Nacht der Aus­reise. Der Flug nach Philadel­phia war fan­tastisch. Das Flugzeug war nicht son­der­lich voll, sodass ich einen Gang und einen Fen­ster­platz zu Ver­fü­gung hat­te. Das Essen an Bord war über­raschend gut und die Fil­mauswahl bot ein paar Steifen, die ich ohne­hin noch sehen wollte.

Ein­reis­esem­i­nar:

Nach Hirschluch also eine weit­ere Woche Sem­i­nar, dies­mal aber in ein­er anderen Grup­penkon­stel­la­tion und an einem anderen Ort. Das Chamounix Hos­tel in Philadel­phia ist ein für US Ver­hält­nisse sehr altes, schönes Farmhaus und das Interieur erin­nert an eine Filmkulisse. Waren in Deutsch­land noch The­men wie z.B. der Holo­caust an der Tage­sor­d­nung, so ging es während des Ein­reis­esem­i­nars über­wiegend um lan­desspez­i­fis­che Fra­gen, Ver­hal­tensregeln und Poli­tik. Ich würde schon sagen, dass mir diese Woche nochmal einen anderen Blick auf die USA gegeben hat. Gut und gerne erin­nere ich mich auch an die Abende, in denen wir Klavier spiel­ten, mit anderen Besuch­ern des Hos­tels sprachen oder die vend­ing machine im Keller zum erliegen bracht­en. Am Mon­tag der darauf­fol­gen­den Woche ging es dann endlich “nach Hause”.

Das Leben danach:

In Cam­den angekom­men war ich erst mal sehr über­rascht, nicht von der Sit­u­a­tion, in der sich die Stadt befind­et, nicht von all dem was man auf den Straßen sah, nein! ich war über­rascht wie groß mein neues zu Hause war. Eingestellt hat­te ich mich auf ein kleines Zim­mer und eine noch kleinere Küche. Was mich erwartete war aber das kom­plette Gegen­teil: 5 Schlafz­im­mer, ein Wohnz­im­mer mit Dartscheibe, ein etwas kleineres Wohnz­im­mer, einen Sem­i­nar­raum, 6 Zim­mer mit Stock­bet­ten, einen Garten mit Bas­ket­bal­lko­rb, 2 Büros, 2 Essz­im­mer, 4 Bäder und eine riesige Küche. Noch über­raschter war ich, als ich die Waschmas­chine, den Trock­n­er und das Klavier ent­deck­te. Vielle­icht sollte ich erwäh­nen, dass mein Haus als Sem­i­narhaus für Frei­willi­gen­grup­pen dient, wir also über die Woch­enen­den meis­ten nicht alleine im sind. Allerd­ings gibt es eine Abtren­nung zwis­chen dem “öffentlichen” Teil des Haus­es und dem Teil, den nur die tat­säch­lich dort wohnen­den Men­schen betreten dür­fen. Der find­i­ge Leser stutzte vielle­icht im vor­let­zten Satz, als ich das Wort “wir” ver­wen­dete. Dabei schreibe ich natür­lich nicht in der drit­ten Per­son von mir sel­ber, son­dern führe einen neuen Charak­ter ein, meinen Mit­be­wohn­er. Alec ist über 21 und wie ich ein Frei­williger in Cam­den. Wir kom­men gut miteinan­der klar, gehen Dien­stags zusam­men einkaufen und schauen regelmäßig Foot­ball auf seinem lei­der sehr kleinen Fernsehr. Abge­se­hen davon sieht man sich verblüf­fend wenig, was wohl an unseren unter­schiedlichen Arbeit­szeit­en liegt. Arbeit­szeit­en ist dann wohl das Stich­wort um in mein­er Erzäh­lung 10 Meter über die Straße an meinen Arbeit­splatz zu gehen. Luther­an Social Ministry’s of New Jer­sey bietet der ärmeren Bevölkerung des Lan­des Hil­fe an. Das Büro in Cam­den stellt zum Beispiel bezahlbare Häuser zu Ver­fü­gung und ver­wal­tet den ganzen Papierkram der Klien­ten. Jet­zt kön­nte man fra­gen, was mein Job dabei ist, die Frage kann ich aber noch nicht wirk­lich beant­worten, da ich ehrlich gesagt in der Arbeit nur herum­sitze, Kaf­fee trinke und ab und zu Mal eine Akte von A nach B trage. Meine “Arbeit” bei LSMNJ beschränkt sich von Mon­tag bis Don­ner­stag 9am — 2pm. Den Rest des Tages ver­bringe ich dann immer bei CASA, meinem zweit­en Arbeit­ge­ber. CASA ist ein Pro­gramm für Schulkinder. Wir helfen bei Hausauf­gaben, kochen ein warmes Mit­tagessen und spie­len spiele, Ziel ist es die Kinder von der Straße fern zu hal­ten und wenn möglich Türen fürs Col­lage zu öff­nen. Die Arbeit dort macht Spaß und ist mir aus meinen Zeit­en in der Jungschar des CVJM nur allzu gut bekan­nt. Son­ntags muss ich in die Kirche, um beim Gottes­di­enst zu helfen. Der “sun­day ser­vice” unter­schei­det sich sehr von dem in Deutsch­land, was nicht unbe­d­ingt etwas schlecht­es, aber auch nicht unbe­d­ingt etwas gutes ist. Kirche funk­tion­iert hier ein­fach anders. Nach der Arbeit gehe ich nach Hause und habe meis­tens noch keinen Hunger, da ich ja in der Arbeit schon gegessen habe. Daraus resul­tiert lei­der, dass ich meis­tens erst um zehn Uhr zu Abend essen und immer viel zu lange wach bleibe. “Raus gehen” funk­tion­iert lei­der in Cam­den nicht wirk­lich, weil es nach Son­nenun­ter­gang ein­fach zu gefährlich ist. Die News lese ich schon gar nicht mehr und die Schüsse, welche man nachts des öfteren hört, machen mir mit­tler­weile keine Angst mehr. Cam­den ist kein schön­er Ort, aber deshalb bin ich ja hier. Zum Glück ist Philadel­phia nur einen 15 Minuten Spazier­gang über die Ben Franklin Brücke ent­fer­nt. Philadel­phia ist eine wirk­lich schöne Stadt. Die für die Stadt bekan­nten cheeses­teaks (Baguettes mit Fleisch und Käse) sind zu meinem lieb­sten Snack gewor­den und ich kön­nte nicht mehr ohne sie leben. Von Philadel­phia aus braucht der Bus nach New York gut zwei Stun­den. Da ich wie gesagt nicht wirk­lich viel unternehmen kann in Cam­den nutze ich diese Busverbindung sehr oft. 5 Wochen im Land war ich schon vier Mal in der Kul­turhaupt­stadt und es war jedes Mal wun­der­voll. Für die Zukun­ft sind aber natür­lich auch noch Aus­flüge nach DC, Chica­go, Bosten und all den anderen Städten geplant, in denen ASF Frei­willige sta­tion­iert hat. Weit­ere Ziele für dieses Jahr kön­nt ihr unter dem Ein­trag buck­et list find­en. Ich kön­nte noch so viel mehr erzählen, denn die let­zten Wochen waren voll mit Ereignis­sen, aber so langsam verge­ht mir die Lust am Schreiben und ich bekomme Hunger.

Wie ver­sprochen wer­den hier jet­zt etwas regelmäßiger Ein­träge erscheinen, also schaut ab und zu vor­bei. Bis dahin macht’s gut.

Luke.

Prolog.

All diese Momente wer­den ver­loren sein in der Zeit, so wie Trä­nen im Regen.

Roy. Blade Run­ner.

Ich weiß noch, wie Ich in der Nacht vom 28. auf den 29. August des ver­gan­genen Jahres auf dem All­wet­ter­platz in Kirchen­tellins­furt lag, die Sterne beobachtete und mit Jonas über Gott und die Welt philoso­phierte.

Ich weiß noch, wie Ich am darauf­fol­gen­den Tag, meinem Geburt­stag, in Anwe­sen­heit mein­er Fre­unde und mein­er Fam­i­lie auf einem Tisch in einem Restau­rant tanzte.

Ich weiß noch, wie Paul mit dem Wollpott im Real stand und meinem Handy erzählte, wie man ohne großen Aufwand seine Liq­uid­ität erhöhen kann.

Ich erin­nere mich an die Urlaube in Süd­frankre­ich, Ungarn oder Däne­mark und an kurzen Trip nach Wien. Niemals will ich meine Stu­di­en­fahrt nach Athen vergessen, eben­so wenig wie die Par­tys im Imk­er­heim, die wun­der­schö­nen Abende mit der Gütle-Gang oder die unzäh­li­gen Male, an denen wir bei Paul, Lena, Lina, Daniel oder mir gechillt, gekocht oder Shisha ger­aucht haben. An dieser Stelle will ich auch die Feuer­w­erkss­chlacht­en an Sil­vester, die im nach­hinein zu teuren Sub­way Besuche und alle CVJM Momente erwäh­nen. Die Liste der Erin­nerun­gen ist Lang, alles aufzuzählen würde zu lange brauchen…

Vielle­icht hat­te Roy recht, vielle­icht wer­den die Erin­nerun­gen all all diese Momente irgend­wann verblassen, aber die daraus resul­tieren­den Erfahrun­gen bleiben.

Insofern: Danke an alle, die mich zu dem Men­schen gemacht haben, der ich heute bin. Auf neue Erfahrun­gen!